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Freude? Wo warst du noch gleich?

Es ist ja schon wieder ewig her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Ich musste mich, ehrlich gesagt, selbst erstmal wieder daran erinnern, dass ich mal meine Fortschritte posten sollte. Es hat sich tatsächlich einiges getan.

Erst vor ein paar Tagen habe ich meine letzten Blogartikel gelesen, die ich vor fast einem Jahr geschrieben hatte. Die große Veränderung, das verlassen dieses brainless Jobs, der mir mehr geschadet als genützt hat und der Neubeginn mit mehr Gefühl als Verstand. Was ist daraus geworden, nach dieser langen Zeit?

Ich habe noch Anfang 2019 immer wieder kleine Rückkehrer in den alten Job gestartet. Ich war davon überzeugt, dass es doch geht. Immerhin kostet es kaum Zeit und bringt ja gutes Geld und überhaupt, man könnte sich ja mal weniger anstellen und so weiter. Kurz gesagt: Ich habe mich und meine Gefühle überhaupt nicht ernst genommen. Schon interessant was einem das Ego (oder auch der Verstand) so alles für Geschichten erzählt, wenn man nur bereit ist, ihm mal zuzuhören. Also hat es tatsächlich bis in den Mai gedauert, dass ich diese Auftraggeber hinter mir gelassen habe. Endgültig. Bis heute, immerhin vier Monate später bin ich noch nicht schwach geworden, also würde ich mal sagen ja, ich kann stolz auf mich sein, das Kapitel scheint erledigt.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich Ende August meinen 50jährigen Geburtstag gefeiert habe und das war ohnehin ein Punkt, an dem ich für mich schon im letzten Jahr beschlossen hatte: Von da an, wird alles anders. Ich habe es geschafft. Ich habe diese Arbeit hinter mir gelassen und daran hat sich auch nichts mehr geändert. Aber, wie steht es nun um meine Freude? Wie ist das, mit der neuen Freiheit und dem Folgen des Navigators? Wenn man seiner Freude folgt und dann vor deutlich weniger Einkommen steht, ist das erstmal belastend. Wie frei ist man in seiner Kreativität und seinem Dasein, wenn man dann etwas anderes schaffen möchte, etwas was Spaß macht und so richtig das ist, was man tun möchte?

Es ist vor allem mal eins: Gar nicht so einfach, wie ich dachte. Okay, das eine Hindernis hinter sich lassen, ist eine Sache. Dann aber vor dem Nichts stehen und das Aushalten, dass man erstmal nichts machen kann als Warten und Hoffen, das ist hart. Ich hätte nie gedacht, dass Freiheit so schwer zu fassen ist. Du weißt ja, dass ich mich als Autorin weitergebildet habe und dort versuche voranzukommen. Nun habe ich die Zeit, seit Mai schon und was ist bisher daraus geworden? Ich pflege eine ausgeprägte Schreibblockade und mein Verstand und sein Sprachrohr »Zensor« ist seither auf »Tour de Nicole« unterwegs und erzählt mir von morgens bis abends, wie undankbar ich bin, dass ich es wage, meiner Freude zu folgen. Dass ich doch ohnehin nicht schreiben kann und Ideen finden sich auch nicht und überhaupt, schau lieber mal in die Stellenanzeigen und such dir irgendeinen braven 450€ Job, dann hast du wenigstens was beigetragen. Kennst du das? Es hört einfach nicht auf und wenn ich nicht aufpasse, beginne ich diesen ganzen Mist irgendwann zu glauben, das ist die wahre Gefahr bei dieser Sache.

Dann kam der Moment, wo ich mich auf meiner eigenen Seite wieder belesen habe – wie war das denn, diese Aufbruchstimmung, dieses erhebene Gefühl, dass es nun los geht, endlich. Hier bin ich Freude, ich höre dir zu. Ehrlich? Einen Scheiß habe ich getan. Ganz langsam, Schritt für Schrittchen bin ich in irgendeinem dunklen Loch gelandet und durfte allerhöchstens hin und wieder mal ein kleines bisschen Tageslicht sehen. Nichts ging mehr. Immer wieder konnte ich überhaupt nichts schreiben, mir fiel einfach nichts ein. Es gab nicht mal mehr die kleinste Idee für einen Blogartikel. Alles war wie weggeblasen. Allein das Lesen der alten Artikel hier, das Erinnern daran, wie es war und wo ich hin wollte, hat mich aufgeweckt. Verrückt oder?

Was fange ich nun damit an? Das weiß ich noch gar nicht so genau. Aber ich denke, ich werde häufiger mal ein paar Worte schreiben hier. Damit ich dran bleibe, an meiner Freude und die anderen Geschichten in meinem Kopf leiser werden, bis sie ganz verstummen. Dann ist auch wieder Raum für mehr Kreativität.

Ich hoffe, du hattest einen wunderbaren Sommer? Wir lesen uns bald wieder.